Sagen um den Trifels

 


Blondel, der treue Sänger

Ein kleiner Reitertrupp soll einst durch das "deutsche Lande" gezogen sein. Sie kamen von weit her. Ihr Auftrag war es auf jeder Burg und auf jedem Schloss nach ihrem Herrn zu suchen. Dieser Herr war kein Geringerer als König Richard Löwenherz. Angeführt wurde der Reitertrupp von einem blondgelocktem Sänger mit dem Namen "Blondel".

Eines Tages näherte sich der Trupp der Burg Trifels. Doch nur Blondel machte sich auf den Weg hoch zur Feste. An den Mauer begann er ein Lied zu singen, das nur Blondel selbst und sein König kannten. So sang er die erste Strophe, so wie er dies schon unzählige Male vor anderen Burgen und Schlössern tat. Nach einiger Zeit verstummte er immer, um zu lauschen, ob ihm eine Antwort gegeben wurde.

Und plötzlich, ganz fein aus unterirdischem Verlies, ertönte die zweite Strophe des Königliedes. Es stürzte hinunter zu seinen Reitern. Die Tränen rannen ihm über die Wangen während er die Glücksbotschaft seinen Mitstreitern verkünden durfte. Endlich waren sie am Ziel!

Nun wurden Pläne ausgeheckt. Pläne der Gewalt, um den König zu befreien. Sobald der Mond aufzog, eilten sie bewaffnet den Berg hinauf. Lediglich ein kurzer Kampf und sie kpnnten ihren König umarmen und enteilten mit ihrem König in ihr Heimatland. Die Treue des Sängers war seit dem in aller Munde.

Quelle: Carl, Viktor (1986): Pfälzer Sagen. Landau/Pfalz: Pfälzische Verlagsanstalt. S. 191 f.


Die Diebe in der Nacht

Die Magd Freya horchte immer, wenn der edle Gefangene Löwenherz seine sehnsuchtsvollen, freiheitsheischenden Lieder sang. So gefühlvoll, dass Freya immer wieder die Tränen kamen. So auch an jenem Tage, als Löwenherz sie bat zu gehen, weil er draußen vor den Toren der Burg die erste Strophe seinesLiedes hörte. Daraufhin sang er aus vollem Halse die Folgestrophen, und schon bald erklang Waffenlärm. Die Engländer wollten den Eingang zur Burg mit Gewalt öffnen. Doch mit brennenden Hieben wurden die Reitertrupps um den Sänger Blondel den Kampf aufgeben mussten.

Niedergeschlagen hofften die Engländer auf ein Wunder, denn sie alleine konnten ihren König niemals befreien. Da trat ein Mädchen zu den Kriegern. Blondel herrschte das junge Mädchen an: „Wer bist du?“. „Ich bin Freya.“, erwiderte die Magd, „die Dienerin des Königs“. „Unseres Königs?“ fragte Blondel. Freya nickte lächelnd und sagte: „Ich will euch einen geheimen Weg zeigen, auf dem ihr euren König befreien könnt. Folget mir!“. Wie unter einem Zwang griffen die Krieger zu den Waffen und folgten dem Mädchen.

Sie pressten ihre Waffen ganz eng an ihren Körper. Lautlos wie sie in die Burg gekommen sind, verschwanden sie auch wieder. Wie Diebe in der Nacht. Der Burgvogt merkte das Fehlen des Königs erst, als er ihm die nächste Mahlzeit bringen wollte. An der Kerkertür lehnte nur Freya, niedergeschlagen und enttäuscht. „Du bist traurig, weil der König entkommen ist. Das verstehe ich.“, sagte der Burgvogt. Doch Freya war traurig, weil sie von den Engländern kein Blick, kein Händedruck, kein Dankeschön erhielt. Seit diesem Tag war Freya verschwunden. Doch in manchen Nächten rumort es immer wieder im geheimen Gang. 

Quelle: Carl, Viktor (1986): Pfälzer Sagen. Landau/Pfalz: Pfälzische Verlagsanstalt. S. 192.

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